Mit dem Surfen klappt es jetzt immer besser.
Ich habe mir in letzter Zeit oft das Surfbrett von Gabriel aus dem condomínio ausgeliehen und bin mit den Leuten aus meiner Klasse zumStrand gegangen. Mein Kollege Roman surft schon seit einem Jahr und hilft mir gelegentlich ein bisschen. Und da am 1. Dezember ja die Ferien hier anfangen, werde ich sowieso noch mehr Zeit haben um zu üben.
Apropos: Diese Ferien werden mit Sicherheit die spannensten, die ich jemals hatte. Erstmal werde ich am 2. Dezember meine Gastfamilie wechseln, was mir ehrlich gesagt ganz gelegen kommt, nicht weil ich mich mit meiner jetzigen nicht verstünde, viel eher, weil ich unbedingt mal die anderen Gesichter Salvadors kennenlernen würde. In diser HInsicht habe ich total Glück gehabt, wie sich vor etwa einer Woche herausstellte. Mein amerikanischer Kollege Phillip und ich werden nämlich unter uns unsere Gastfamilien tauschen, das heisst, ich werde ab nächster Woche in Vitória wohnen. Vitória liegt tatsächlich so ziemlich am anderen Ende der Stadt, direkt neben Barra, dem ehemailgen Zentrum Salvadors und dem Stadtteil, in dem ich mir eigentlich gewünscht hatte, dei nächsten Monate verbringen zu können. Vitória ist ein reines Wohngebiet, wo es hauptsächlich Hochhäuser mit 10 oder mehr Stockwerken gibt. Es macht insgesamt einen reicheren Eindruck als Patamares, und die Lage ist einfach perfekt. Zum Shopping Barra sind es zu Fuss höchstens 20 Minuten, 25 bis zum eigentlichen Partybezirk und meinem neuen Lieblingsgeschäft "SUCO 24h no ar"*. Barra ist etwa mit dem Bochumer Bermuda3Eck vergleichbar, nur dass es wesentlich grösser und meiner Meinung nach um Einiges interessanter ist. Am Strand "Praia do Farol", dem berühmtesten Strand Barras, trifft man immer Surfer und baíanas, Frauen, die in ihren typischen weiten weissen Röcken bahianische Spezialitätetm verkaufen. Da wird einem doch gleich warm ums Herz!
Zu meiner neuen Familie kann ich noch nicht allzu viel sagen. Ich werde mit meinem Gastbruder, meiner -tante und zwei -cousins in einem (ziemlich grossen!) Apartment im sechsten Stock im "Jardim Tropical" ("tropischer Garten", Name des Gebäudes) wohnen. Dieses Gebäude ist nun sicherlich keine favela, es gibt zwei Swimming Pools, ein kleines Fitness Center und einen Kunstrasen-Fussballplatz. Meine Eltern wohnen und arbeiten in Gunambí, einer Stadt im Südwesten Bahias, an der Grenze zum Bundesstaat Minas Gerais. Sie schaffen es nicht sehr oft, nach Salvador zu kommen, aber ich habe schon per E-mail mit ihnen Kontakt gehabt und sie machen einen wirklich netten Eindruck. Edmara und Renato (meine Gasteltern) haben Phillip, Guilherme -meinen Gastbruder- und mich schon eingeladen, für ein paar Tage anch Guanambí zu kommen, und ich denke, dass das sicherlich ein guter Ansatz wäre, mich mit meinem neuen Gastbruder vertraut zu machen. "Gui" scheint sowieso ein echt lieber Kerl zu sein, und ich bin mir sicher, dass ich mich mit ihm besser verstehen kann, als mit meinen jetztigen Gastgeschwistern, mit denen ich nun doch nicht allzu viel gemeinsam habe. Alles in allem freue ich mich also schon sehr auf den kommenden Monat, vor allem, da ich dann auch mehr Zeit habe, meine Schulfreunde zu besuchen. Kadú, Thiaguinho und Sucão zum Beispiel wohnen jeweils etwa nur fünf bis zehn Minuten vom Jardim Tropical entfernt, so werde ich açlso genug Gelegenheit haben, um mich mit meiner neuen Unmgebung vertraut zu machen.
So, dass war die Vorschau für den Monat Dezember.
Wenn ihr jetzt denkt, na hat sich doch alles prima entwickelt, dann lest folgendes:
AB DEM 07. JANUAR BIN ICH AUF NORDOST TOUR!!!
Jaaaaaa, dann gehts nämlich ab nach Rio, São Paulo, Lençois, Itacaré undundund...
Das beste ist natürlich, dass ich da alle meine Freunde aus dem Rotary Distrikt 1900 wiedersehe, ganz zu schweigen von den ganzen anderen Tauschis aus Japan, Australien, Kanada, Argentien usw., die ich ja noch gar nicht kenne! Mann ich bin ich gespannt auf diesen Trip. In sechs Wochen gehts los, ich kann es noch gar nicht glauben. Ich habe mir ja schon Fotos von Phillips Pantanal Tour angesehen(Tipp: Link zu eurer rechten) bei der ich nicht teilgenommen habe, und war fasziniert. Und jetzt soll ich also 35 Tage mit quasi allen Rotary Austauschschülern in Brasilien durch die schönsten Städte dieses Landes touren. Oh mann, echt unglaublich:))))))))))))))))))))
So, jetzt habe ich wieder fast eineinhalb Stunden hier am PC in der UNYAHNA verbracht. Die UNYAHNA ist eine Art Fachhochschule/ kleine Universität hinter meinem Haus. Dort studieren Wil und Merryellen, die Geschwister von Sanderson, der Anfang des Jahres einige Monate in Bochum verbracht hat. Die ganze Familie von ihm ist supernett, ich hatte schon die Gelegenheit, sie kennenzulernen. Sanderson wohnt mit seinen drei Geschwistern (Paulo habe ich noch nicht erwähnt) und seiner Mutter in der Cidade Baixa, ganz in der Nähe der Kirche von Bomfim, also in einem eher ärmlicheren Stadtteil. Das macht den Menschen dort aber nichts, im Grossen und Ganzen sind die Bewohner dieser Orte um Einiges ehrlicher als z.B. einige Leute aus meinem condomínio. Die Sandersons Mutter hat sich total in mcih verliebt, sie wollte meinen sowieso schon etwas zu runden (oder einfach "brasilianischen") Bauch mit allen möglichen Leckereien füllen, was mir nur dadurch zu verhindern gelang, indem ich entweder mit Wil oder mit Sanderson kleine Spaziergänge unternahm. Wil studiert hier an der UNYAHNA Jura und geniesst eher die ruhige Seite des Lebens, auch wenn er hier auch in der Bibliothek arbeitet und versucht, seine Mutter so ein bisschen zu unterstüutzen. Sanderson studiert an der Faculdade Jorge Armado Sport auf Lehramt. Er ist ebenfalls Capoeiralehrer und hat eine kleine Schule ganz in der Nähe des Hauses seiner Familie in der Cidade Baixa. Er hat vor ein paar Monaten versucht in Deutschland Arbeit zu finden, um ebenfalls seiner Familie hier helfen zu können, doch hat ihm die Sprache und die fremde Kultur grosse Probleme bereitet, sodass er wieder nach Hause flog. Er hat die Lust nicht verloren, doch Geld für eine erneute Reise nach Deutschland aufzutreiben ist zur Zeit sehr schwer für ihn. So hat er aber auch Zeit, mir ein bisschen Capoeira beizubringen und den armen Kindern seiner Gruppe mit Shows zu helfen, an etwas Geld zu kommen. Das Leben in einem dieser Stadtteile Salvadors ist total anders als das, welches ich in meinem condomínio für reiche führe, und, wie ich finde, interessanter. Ich werde jedenfalls die Gelegenheit nutzen und Sanderson und seine Familie in den Ferien öfter besuchen, einfach weil es unglaublich nette Menschen sind und weil ich mehr über ihre Lebensweise erfahren möchte. Wer weiss vielleicht erlaubt mir Rotary ja, meine letzten vier Monate in der Cidade Baixa zu verbringen. Ich wäre jedenfalls sehr froh, aber jetzt heisst es erstmal "langsam mal die Sachen zusammsuchen", schliesslich ziehe ich in 9 Tagen um!
*"FRUCHTSAFT: 24 Stunden offen"